Wehrshäuser Geschichte

 

Ein Ort mit Geschichte

 

Wer nach Wehrshausen kommt, dem fällt die zentral gelegene Marien-Kirche ins Auge. In der Regel zweiwöchentlich trifft sich in ihr die Gemeinde zum Gottesdienst. Und das schon seit Jahrhunderten. Hinzu kommen zahlreiche Festgemeinden von außerhalb, welche die heimelige Atmosphäre dieser Kirche für ihre Feste des Lebens suchen.

Am 28.04.1339 wurde die Marien-Kirche durch Ritter Werner Döring und seine Frau Mechthild von Gambach gestiftet. Sie diente einst als Wallfahrts-Kapelle für Pilger auf ihrem Weg zur Elisabeth-Kirche nach Marburg. Zu dieser Zeit war die Kirchengemeinde noch nach Michelbach eingepfarrt. Mit der Errichtung eines Hauptaltars kam es ab 1358 in Wehrshausen vermehrt zu Wallfahrten zu dem in dem Schrein des Altars aufgestellten Gnadenbild.

Eine Wallfahrt findet sich erstmals belegt im Jahre 1474. Landgraf Heinrich III. von Hessen veranlasste diese Prozession mit dem heiligen Sakrament von Marburg nach Wehrshausen, um für einen Sieg in der Neusser Fehde zu bitten.

1475 ermöglichte der Landgraf die Erweiterung des Baus. Die Baunaht zum Kirchenschiff ist heute noch gut zu erkennen. Die Kapelle wurde vermutlich um den heutigen Chor erweitert. Auf dem Schlussstein des Gewölbes sind das landgräfliche Wappen und die Jahreszahl angebracht. Ein zweiter Altar wurde errichtet und Zudem erhielt die Kirche zwei Holzstatuen des berühmten Holzschnitzers Ludwig Juppe. Die „Heilige Anna“ (1520/24) und die „Wehrshäuser Madonna“ (1523) wurden 1853 an die Elisabethkirche verkauft. Heute sind sie im Besitz des Marburger Universitätsmuseums.

Eine solche Kirche war ein Reichtum für die damals rund dreißig Bewohner von Wehrshausen. Nach kurzer Zugehörigkeit zur Pfarrkirche St.-Marien in Marburg wurde Wehrshauen im 16. Jahrhundert mit dem Ev.-.Luth. Pfarramt Elnhausen verbunden. Mit Elnhausen und Dagobertshausen bildet die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Wehrshausen seither ein historisch gewachsenes Kirchspiel. Es gehört heute zum Kirchenkreis Marburg im Sprengel Waldeck-Marburg der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW). Propst des Sprengels ist Helmut Wöllenstein (seit 2009). Bischof ist Prof. Dr. Martin Hein (seit 2000).

 

Eckstein im kollektiven Gedächtnis

 

Eine ausführliche Darstellung der Wehrshäuser Kirchengeschichte in den letzten Jahrhunderten liefern die Beiträge von Gerhard Schütt, Gisela Konitzky und Prof. Dr. Georg Günther Blum in dem Buch „Wehrhausen bei Marburg“ (1974). Was in den letzten 36 Jahren vor Ort geschah findet sich im Archiv des Pfarramts dokumentiert. Der Versuch die jüngere Geschichte darzustellen, birgt jedoch immer das Problem der Subjektivität. Schwerpunkte werden gesetzt, die anderes ausklammern. Es braucht Zeit bis Menschen ein einheitliches kollektives Gedächtnis ihrer eigenen Geschichte entwickeln. Das Feiern der Jubiläen – so wie in diesem Jahr „750 Jahre Wehrshausen“ – sind ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg der Selbstvergewisserung.

Ein ausgewogenes Bild der Geschichte entsteht nicht aus der Feder einzelner Personen. Geschichte entsteht im Dialog einer Gesellschaft, die sich als Kreator, Kollektor und Korrektiv ihren eigenen historischen Sinn vergegenwärtigt. Oder anders gesagt: Jeder vor Ort wirkt an der Geschichtsschreibung mit. In Anekdoten, die man einander weiter erzählt, in gegenseitiger Anteilnahme oder im alltäglichen Klatsch und Tratsch. Geschichte entsteht beim Bier am Stammtisch, beim Schnuddeln am Gartenzaun, beim Gespräch an der Ladentheke. Geschichte ist lebendig.

 

 

 

            Wehrshäuser Chronik: in Kürze hier zum Download

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